Cookies Policy
X

This site uses cookies. By continuing to browse the site you are agreeing to our use of cookies.

I accept this policy

Find out more here

Über Ermüdung Und Hemmung Angeborener Verhaltensweisen Bei Springspinnen (Saltigidae). Zugleich Ein Beitrag Zum Triebproblem

No metrics data to plot.
The attempt to load metrics for this article has failed.
The attempt to plot a graph for these metrics has failed.
MyBook is a cheap paperback edition of the original book and will be sold at uniform, low price.

Buy this article

Price:
$30.00+ Tax (if applicable)
Add to Favorites

image of Behaviour

Theoretischer Teil. Es kann zweckmässig sein, in der Beschreibung des Verhaltens Begriffstrennungen durchzuführen, selbst wenn die physiologische Analyse Unterschiede noch nicht erkennen lässt oder sogar deren Existenz unwahrscheinlich macht. In der Beschreibung des Verhaltens unterscheidet man z.B. Suchbewegungen, Instinktbewegungen und Einstellungsreaktionen, obgleich es sich in allen drei Fällen wahrscheinlich um zentral koordinierte Automatismen handelt. Die Besonderheiten vieler angeborener Verhaltensweisen bei längerer Zeit der Nichtbetätigung (Stauung) oder laufender Auslösung werden besprochen. Zur Erklärung dabei auftretender Ermüdungserscheinungen hat man eine Erschöpfung von Tätigkeitssubstanzen, eine Ansammlung von Ermüdungsstoffen oder afferente Schranken angenommen ; auf das Für und Wider jedes dieser Deutungsversuche wird eingegangen. Erfahrungseinflüsse können das Bild komplizieren. Bereits die Beobachtung von DREES, dass die optimale Grösse der Beuteattrappen von der Stärke eines Hungertriebes (als innere consummatory situation, die mit dem Sättigungszustand sich ändert) und nicht von der Zeit der Stauung der Instinkthandlungen des Beutefangs (also den soeben erwähnten Besonderheiten von Instinkthandlungen) abhängt, deutet auf die Notwendigkeit der Einführung eines besonderen Faktors Trieb hin. Dasselbe gilt für die oft zu beobachtenden Suchbewegungen. Sie können aus äusseren oder inneren Gründen ausgelöst werden. Im letzten Fall kann die Exploration eine selbständige Handlung sein, oder die Suchbewegungen werden durch die Stauung einer Instinkthandlung oder endlich durch einen Trieb bedingt. Eine Appetenz nach einem zukünftigen Ziel, dem lustvollen Ablauf der Instinkthandlung oder einer Geschmacksempfindung, dürfte nur bei höheren Tieren eine Rolle spielen, nicht bei den Springspinnen. Die Ausdrücke Triebfeder und Strebung der Humanpsychologen werden in diesem Zusammenhang erörtert. Die Notwendigkeit der Einführung eines besonderen Faktors (Trieb) geht auch daraus hervor, dass satte Springspinnen nicht mehr auf Beute ansprechen, selbst wenn bei der Fütterung die Beutefanghandlungen nur ganz wenige Male ablaufen, die Stauung dieser Instinkthandlungen also anhält. Geändert hat sich aber mit der Sättigung die innere consummatory situation. Weitere Ergebnisse des experimentellen Teils, die nur durch einen besonderen Trieb zu erklären sind, werden angeführt. Der Einwand, dass bei unseren Versuchen der Fressakt die Rolle eines consummatory acts gespielt hat, wird ausführlich diskutiert und widerlegt. Für den Trinkakt und wahrscheinlich auch den Geschlechtsakt dürfte Entsprechendes gelten. Das Zusammenwirken von Triebänderungen und der Stauung von Instinkthandlungen wird an Hand eines Modells anschaulich gemacht. In der Sprache der Regler-technik kann die Triebänderung als Sollwertverstellung der Stauung verstanden werden. Es wird empfohlen, den Triebbegriff möglichst eng zu fassen, wobei der ausführlicher diskutierte Hungertrieb als Modellfall dienen kann. Eine Unterteilung in übergeordnete und untergeordnete Triebe kann notwendig sein. Auf das Hierarchieproblem wird kurz eingegangen. Die Instinkthandlungen können eine Triebabhängigkeit zeigen oder nicht. Im letzten Fall klinkt das Tier durch den aufkommenden Trieb in einen speziellen Funktionskreis ein, wodurch zugehörige angeborene auslösende Mechanismen (AAMs) aktiviert werden. Die Zahl der auslösbaren Instinkthandlungen nimmt mit der Triebstärke zu. Beim Hungertrieb erfolgt mit der Fütterung das Ausklinken aus dem speziellen Funktionskreis, wobei gleichgültig ist, wie oft dabei die Beutefanghandlungen betätigt wurden. Instinkthandlungen, die bei vielen Tieren triebabhängig sind, können bei anderen Arten eine gewisse Triebabhängigkeit zeigen und umgekehrt. Experimenteller Teil. Ia) Die Erholung des ermüdeten Beutesprungs von Epiblemum scenicum verläuft zuerst rasch und wird dann immer langsamer. Ib) Eine ähnliche, aber doch nicht identische Erholungskurve zeigt die Instinkthandlung des Heranlaufens an die Beute. Es wurden die Zeit und auch die dabei zurückgelegten Wegstrecken gemessen. Ic) Die Einstellungsreaktionen auf Beuteattrappen sind bei Epiblemum scenicum und besonders Evarcha blancardi sehr viel schwerer ermüdbar als die beiden genannten Instinkthandlungen des Beutefangs. Die Erholung erfolgt ebenfalls mit abnehmender Geschwindigkeit, verglichen mit den beiden Instinkthandlungen aber sehr viel langsamer. Im Hellen bzw. Dunkeln aufbewahrte Tiere weisen keine Unterschiede auf. 2) Der Liebestanz zeigt bei Epiblemum eine geradlinige Erholungskurve, wenn die Zeit des Tanzes als Mass verwandt wird. Der Liebestanz wird auch ausgeführt, wenn die ersten Beine amputiert werden und dadurch das Winken ausfällt. 3aaa) Der frühere Befund, dass die Betätigung des Beutesprungs bei Epiblemum das Heranlaufen teilweise mitermüdet und umgekehrt das Heranlaufen den Beutesprung nahezu gänzlich unmöglich macht, konnte bestätigt werden. Dabei entspricht I Beutesprung je nach der angewandten Methode 6,0 bzw. 21,7 sec. Heranlaufen. Ein weiterer Versuch zeigt, dass der Wert von 6 sec. richtig ist. Verschiedene Deutungsmöglichkeiten der gegenseitigen Beeinflussung der beiden Beutefanghandlungen werden angegeben und geprüft. Wird das Heranlaufen gänzlich ermüdet, so sind auch nach einer Erholungszeit von 30 min nur wenige Beutesprünge auslösbar. 3abb) Ausgelöste Einstellungsreaktionen auf Beuteattrappen beeinflussen die Erholung des ermüdeten Heranlaufens bei Epiblemum nicht. Auch zahlreiche, vor den Beutesprüngen ausgelöste Einstellungsreaktionen waren ohne Wirkung auf die Erholung (Versuchstier Evarcha). 3acc) Die Verfütterung einer Drosophila hat während des Versuchs von 2 Std. bei Epiblemum im Gegensatz zu Evarcha keinen Einfluss auf die Erholung des ermüdeten Beutesprungs sondern wirkt sich erst später aus. Die Verfütterung einer grösseren Fliege hat bei Epibtemum auch während des Versuchs eine Wirkung und zwar ist diese besonders stark, wenn die Fliege am Anfang oder Ende des Erholungsintervalls geboten wird. Im ersten Fall liegt sicherlich eine Triebänderung, im zweiten ein besonderer Hemmungsfaktor vor. Bei Evarcha ist die Wirkung der Fütterung auf die Erholung des Beutesprungs um so stärker, je grösser der Hunger des Versuchstieres ist. 3baa) Copulationsversuche des Männchens (besonders das Betrillern des Weibchens mit den Palpen) und permanente Versuche, den Copulationsanhang der Palpen in die weibliche Genitalöffnung zu führen, haben bei Epiblemum keinen Einfluss auf die Erholung des ermüdeten Liebestanzes. 3bbb) Anscheinend gilt dies auch für wirklich ausgeführte Copulationen. 4) Die Ausführung des Liebestanzes beeinflusst bei Epiblemum nicht die Erholung der ermüdeten Beutefanghandlungen. Der Liebestanz ist bei hungrigen Epiblemum gehemmt. Die Betätigung der Beutefanghandlungen führt zu einer geringen Enthemmung; stärker ist diese nach einer Fütterung. 5) Die Zahl der bei Epiblemum durch Attrappen auslösbaren Fluchtreaktionen wird durch vorher betätigte Einstellungsreaktionen auf Beute herabgesetzt und umgekehrt. Eine Fütterung setzt die Zahl der primär auslösbaren Einstellungsreaktionen auf Beuteattrappen herab. Bei Evareha wird die Zahl der lediglich taktil auslösbaren Fluchtsprünge durch vorher betätigte Einstellungsreaktionen auf Beuteattrappen herabgesetzt. Nach einer Ermüdung der taktil ausgelösten Fluchtsprünge sind weitere durch gleichzeitige optische und taktile Reizung auslösbar. 6) Die Erholung des ermüdeten Beutesprungs wird bei Epiblemum nicht beeinflusst, wenn die Tiere bei der zweiten Testung nach einer Amputation von Beinen bei den meisten Sprüngen auf den Rücken fallen und sich wieder aufrichten müssen, oder wenn die rein physische Anstrengung bei den Sprüngen durch Aufkleben von kleinen Gewichten auf den Cephalothorax vergrössert wird. 7) Werden bei Epiblemum die Zickzackausschläge durch Tanzen in einem engen Kanal unterbunden, so unterbleiben sie für eine gewisse Zeit auch noch nach einer Beseitigung der seitlichen Behinderung (Einfahren einer Bewegungsfolge). Es wird versucht, diese ganzen Befunde zu deuten und mit den im ersten Teil erörterten theoretischen Grundlagen in Einklang zu bringen.

Loading

Article metrics loading...

/content/journals/10.1163/156853957x00010
1958-01-01
2015-07-06

Affiliations: 1: (Zoologisches Institut der Universität Kiel

Sign-in

Can't access your account?
  • Tools

  • Add to Favorites
  • Printable version
  • Email this page
  • Subscribe to email alerts
  • Get permissions
  • Recommend to your library

    You must fill out fields marked with: *

    Librarian details
    Name:*
    Email:*
    Your details
    Name:*
    Email:*
    Department:*
    Why are you recommending this title?
    Select reason:
     
     
     
     
    Other:
     
    Behaviour — Recommend this title to your library

    Thank you

    Your recommendation has been sent to your librarian.

  • Export citations
  • Key

  • Full access
  • Open Access
  • Partial/No accessInformation